Erfolgfaktoren beim UX-Writing
Befasst man sich mit der Gestaltung von Webseiten, so stößt man schnell auf den Begriff der “User Experience”, der als “UX” abgekürzt wird. Er bezeichnet das gesamte Nutzererlebnis bestehend aus verschiedenen Effekten und Erfahrungen, die der Nutzer bei seinem Besuch auf der Website erlebt. So trägt sie erheblich zum Erfolg der Website bei. Darauf spielen nicht nur die objektive Gebrauchs- und Benutzerfreundlichkeit bzw. die Usability, sondern auch emotionale und ästhetische Faktoren ein. Aus diesem Grund, wird sich bei der Auseinandersetzung mit der User Experience häufig auf gestalterische Elemente bezogen – hier wird dann vom bekannten UX-Design gesprochen. Die User Experience einer Webseite wird jedoch nicht ausschließlich durch ihr Design, sondern auch durch ihre Texte bestimmt. Aus diesem Grund lohnt es sich für jeden Texter und jedem Webseitenbetreiber, sich mit dem Thema UX-Writing auseinanderzusetzen.
Was versteht man unter UX-Writing?
Das Konzept des UX-Writings beruht auf dem Verständnis dafür, dass die Qualität eines Textes, nicht ausschließlich von seinem Inhalt, sondern in großem Maße auch von seiner Form bestimmt wird. Diese muss so nutzerfreundlich sein, dass der Leser die inhaltlichen Aussagen möglichst schnell und mit geringer Anstrengung erfassen und verstehen kann. Das äußert sich unter anderem darin, dass der Nutzer sich in dem Fall gar keine Gedanken über die Form des Textes macht, sondern sie unterbewusst wirkt und dazu führt, dass er das Erlebnis auf der Webseite als positiv bewertet. Das Ziel des UX-Writings besteht somit darin, die Menschen intuitiv zu ihrem Ziel zu bringen. Aus diesem Grund kann UX Copy auch nicht mit klassischen Marketingtexten, die der Bewerbung eines Produktes dienen, gleichgesetzt werden. Die UX-Texte begleiten den Nutzer vielmehr über die gesamte Website, vom ersten bis zum letzten Klick und dienen damit als Wegweiser.
Kriterien im UX-Writing
Welche Kriterien müssen Texte erfüllen, um nutzerfreundlich zu sein? Auf diese Frage gibt es nicht die eine allgemeingültige Antwort. Dennoch gibt es einige Erfolgsfaktoren, die eine positive User Experience begünstigen. Diese werden im Folgenden vorgestellt – daran anknüpfend wird in jedem Fall empfohlen, herumzuexperimentieren und beispielsweise durch A/B-Tests herauszufinden, was bei den eigenen Nutzern besonders gut ankommt.
Zusammenspiel aus Text und grafischer Gestaltung
Ein erster Erfolgsfaktor beim UX-Writing besteht darin, bei der Umsetzung die richtige Reihenfolge der einzelnen Schritte einzuhalten und so ein perfektes Zusammenspiel aus Text und grafischer Gestaltung zu ermöglichen. Die Konzeption eines jeden UX-Textes beginnt mit der Frage danach, was dieser Text bezwecken soll. Es gilt sich also erst mit dem Ziel des Textes zu befassen. Darauf basierend werden dann die relevanten Inhalte festgelegt und diese werden anschließend grafisch aufbreitet. Davon, Texte immer mit den gleichen Bausteinen zu erstellen und in vorgefertigte Layouts zu pressen, wird dringend abgeraten. Stattdessen sollen, wenn die User Experience im Vordergrund steht, inhaltliche Message und Design im weitesten Sinne des Wortes gemeinsam gedacht werden.
Wenn die inhaltlichen Aussagen, die über die Website vermittelt werden sollen, also stehen, dann geht es darum, sie in jene Form zu bringen, die eine möglichst hohe Nutzerfreundlichkeit mitbringt. Zur optischen Auflockerung von Texten können beispielsweise Infografiken, Tabellen und Aufzählungen genutzt werden. Diese stellen komplexere Inhalte vereinfacht dar und erlauben es den Lesern, relevante Informationen mit einem Blick zu erfassen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Tools, die Webseitenbetreiber dabei unterstützen, die Nutzerfreundlichkeit ihrer Textelemente zu erhöhen. Auch auf Aspekte wie Schriftart und -Größe, Abschnitte, Zwischenüberschriften, Farbkontraste sowie genügend Weißraum sollte im Sinne der User Experience geachtet werden.
Verständlichkeit und Microcopy
Neben der visuell ansprechenden Einbettung in die Website ist auch die Verständlichkeit ein zentraler Erfolgsfaktor im UX-Writing. Hierbei sollte der Verfasser im Hinterkopf haben, dass Webseitentexte in den seltensten Fällen in Gänze gelesen werden. Häufig werden sie nur überflogen, bzw. gescannt. Im Sinne der User Experience sollte dafür gesorgt werden, dass das problemlos möglich ist und die wichtigsten Inhalte auch ohne Wort-für-Wort-Lesen erfasst werden können. Die Verständlichkeit wird natürlich auch von den oben bereits erwähnten gestalterischen Elementen beeinflusst – besonders Zwischenüberschriften, Abschnitte und unterstützende grafische Elemente spielen hier eine wichtige Rolle. Darüber hinaus entscheidet aber auch die verwendete Sprache über die Verständlichkeit des Textes. Diesbezüglich wird empfohlen, den Leser direkt anzusprechen und die Sätze im Aktiv anstatt im Passiv zu formulieren. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Sätze sowie die Absätze eine angenehme Länge haben. Fachbegriffe sollten so weit wie möglich vermieden und doppelte Aussagen gekürzt werden. Außerdem können optische Aspekte, wie beispielsweise das Verwenden von Ziffern statt Zahlenwörtern sowie das Fetten von wichtigen Begriffen die Nutzerfreundlichkeit von Texten erhöhen.
Damit die Nutzerinnen nicht nur Informationen schnell aufnehmen können, sondern auch wirklich verstehen, welche Schritte sie als nächstes unternehmen können oder – im Sinne des Webseitenbetreibers – sollen, darf das sogenannte Microcopy nicht zu kurz kommen. Hierbei handelt es sich um kurze Textschnipsel, die dem Besucher der Seite eindeutige Handlungsanweisungen geben. Das betrifft beispielsweise Handlungsaufrufe, also sogenannte “Call to Actions”, Navigationsbuttons, Bestätigungsnachrichten und Fehlermeldungen. Im Sinne der User Experience sollten diese unmissverständlich formuliert sein.
Richtige Zielgruppenansprache
Der letzte Erfolgsfaktor ist die richtige Zielgruppenansprache. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es keine objektive Nutzerfreundlichkeit gibt, sondern diese immer von dem individuellen Empfinden der Nutzer der jeweiligen Webseite abhängig sind. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man als Webseitenbetreiber bzw. Texter genau weiß, wen man mit dem UX-Writing erreichen möchte. An deren Bedürfnisse und Anforderungen müssen die Texte dann angepasst werden. Beim nutzerorientierten Schreiben ist es deshalb hilfreich, sich in die Leser hineinzuversetzen und die Schritte, die sie auf der Webseite durchlaufen, nachvollziehen zu können. So kann man die Wünsche, Fragen und Bedenken der Zielgruppe antizipieren und Lösungen liefern. Auf diese Weise kann die Nutzerfreundlichkeit der daraus entstehenden Texte gewährleistet werden.