New Work in Werbeagenturen – Veränderungen als Chance wahrnehmen
Als 2021 die Homeofficepflicht in die Deutschland eingeführt wurde, mussten Arbeitnehmer und Arbeitgeber neue Wege gehen. Remote statt Präsenz, Kollaborationstools statt trockener Kekse beim viel zu ausführlichen Meeting im Besprechungsraum. New Work lautet der Begriff für agiles Arbeiten. Die Homeofficepflicht ist seit März 2022 wieder aus den gesetzlichen Vorgaben verschwunden. Geblieben ist der Wunsch nach mehr Freiheit und Beweglichkeit. Die Vorteile sind inzwischen auch bei Arbeitgebern angekommen – wenn entsprechende Strukturen sinnvolle Zusammenarbeit ermöglichen. Denn Homeoffice muss alles andere als einsames Vor-sich-hin-Werkeln sein, damit sich New Work als Erfolgsmodell durchsetzt. Noch immer bestehen in vielen Vorstandsetagen Vorurteile gegen agiles Arbeiten. Das Resultat: die Infrastruktur stimmt nicht, Zusammenarbeit gestaltet sich schwierig und Chancen auf moderne Abläufe werden vertan. Was muss passieren, damit New Work nicht nur ein Lückenfüller in Pandemiezeiten ist, sondern als das gesehen wird, was uns voranbringt: das Beste aus analogen und digitalen Formaten?
Die Stärken von New Work
Nicht alle Branchen profitieren von neuen, agilen Rahmenbedingungen. Das Modell stößt spätestens dort an seine Grenzen, wo Digitalisierung keinen primären Vorteil bietet. In anderen Bereichen – dazu können auch Agenturen gehören – steigert New Work nicht nur die Attraktivität des Arbeitsplatzes, sondern sorgt aktiv für effizienteres Arbeiten.
1. Umfassende Prozessmanagement
2. Führung wahrnehmen
3. Human Resource
4. Projektmanagement
5. Kreativität fördern
Umfassendes Prozessmanagement integriert alle Beteiligten. Nicht nur die einzelnen Teams, auch Kunden und Co-Worker werden in das neue Konzept eingebunden. Damit New Work umfassend funktioniert, müssen entsprechende Strukturen etabliert werden. Welche Kunden sind digital erreichbar? Wo müssen Kompromisse gefunden werden? Die digitale Infrastruktur ist nicht überall vorhanden, darauf muss sich insbesondere der Support einstellen. Können Kunden in die digitale Landschaft eingebunden werden, müssen neue Skills erworben werden. Schulungen vermitteln das nötige Know-how und Tools erleichtern die Prozesse.
Remote arbeiten kann schnell dazu führen, dass sich Mitarbeiter alleingelassen fühlen. Leadership basiert nicht auf Face-to-Face Gesprächen, dennoch können neue digitale Strukturen dazu führen, dass die Distanz zwischen der Führungsetage und den operativen Mitarbeitern Ablauf und Ergebnisse negativ beeinflusst. Grundsätzlich wandelt sich die Arbeitsweise aller Mitarbeiter. Statt Kontrolle und enge Grenzen sind Vertrauen und Motivation angesagt. Das Team zusammenhalten und die Prozesse innerhalb der einzelnen Gruppen zu optimieren, gehört zu den Kernkompetenzen erfolgreicher Führungskräfte. Eine offene und vertrauensvolle Feedback-Kultur ist Voraussetzung für Remote Work. Die einzelnen Fäden in der Hand zu behalten, den Überblick nicht verlieren und jederzeit steuernd einzugreifen, ist auf Distanz nicht leicht – aber machbar.
Recruiting findet zunehmend digital statt. Social Media ersetzt den Stellenmarkt der Tageszeitung, Fachkräftemangel erschwert die Gewinnung neuer, qualifizierter Mitarbeiter zunehmend und Personalverantwortliche entwickeln attraktive Modelle, um Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden. Der Arbeitsmarkt wandelt sich und mit ihm die Aufgaben der Personalabteilungen. Onboarding findet digital statt, das erfordert die entsprechende IT und setzt digitale Kenntnisse beim Personalverantwortlichen voraus. Neben grundsätzlichen Voraussetzungen sind auch neue Skills gefragt. Körpersprache wird über einen 13 Zoll-Laptop nicht so eindeutig wahrgenommen, wie im Präsenz-Gespräch. Small Talk und Einstieg in konkrete Themen sollten nicht eins zu eins umgesetzt werden. Bevor die Personalabteilung den Onboarding-Prozess digital gestaltet, sind Schulungen und Fortbildungen eine sinnvolle Ergänzung.
Projektmanagement innerhalb eines Teams erfordert klare Strukturen und sollte Raum für Flexibilität bieten. Bislang schnelle, kurze Rückfragen und Gespräche zwischen Kollegen im selben Büro erfordern nun Telefonate, E-Mails oder einen Blick in den Chatverlauf. Wie gelingt es, die Zusammenarbeit unkompliziert und nah zu gestalten? Reibungslose Abläufe sind essenziell, wenn das Projekt innerhalb eines definierten Zeitraums fertiggestellt werden soll. Die Freiheit, das Wann selbstbestimmt zu gestalten, kann ebenfalls zu Unstimmigkeiten führen. Einige Mitarbeiter starten früh und beenden ihren Arbeitstag entsprechend rechtzeitig. Andere bringen zwischendurch die Kinder zur Kita oder gehen mittags zum Sport. Lange Pausenzeiten sind grundsätzlich kein Problem und einer der Vorteile vom agilen Arbeiten. Feste Termine sind das eine, aber kurze Rückfragen können ebenso wichtig für den Fortschritt des Projekts sein. Klare Strukturen und Vereinbarungen sorgen für einen effizienten Arbeitsalltag. Solange alle wissen, wann die relevanten Ansprechpartner erreichbar sind, können eigenen To-dos und Agenden darauf ausgerichtet werden. So entsteht keine Frustration, sollte ein Kollege nicht erreichbar sein; bis zum definierten Zeitraum werden einfach andere To-dos erledigt.
Kreativität entsteht selten in einsamen Situationen; Brainstorming geht nur gemeinsam. Die Essenz aus allen Vorschlägen wird anschließend auf Umsetzbarkeit geprüft. In digitalen Meetings entwickeln sich lebhafte Diskussionen und kreative Ideenfindung nicht ohne Weiteres, hier sind neue Tools und Übung gefragt. Wer moderiert das Meeting, welche Boards ersetzen die Flipchart? Was passiert mit Zwischenrufen, wenn der digitale Raum nur einen Speaker zulässt? All das erfordert neue Formate und einen guten Überblick.
Ein neues Mindset entwickeln
Zum agilen Arbeiten gezwungen oder Feuer und Flamme für neue Strukturen – Menschen sind unterschiedlich. Während die einen moderne Formate als Freiheit und Mehrwert begrüßen, trauern andere den gewohnten Abläufen hinterher. Nicht jeder mag alleine im Homeoffice sitzen und sich digital vernetzen – insbesondere Agenturen setzen auf Zusammenarbeit. Führungskräfte können dem Teamerfolg im Weg stehen, wenn sie sich mit den Vorteilen von New Work nicht identifizieren. Zwischen notgedrungener Akzeptanz von agilen Prozessen und der Begeisterung dafür bestehen wesentliche Unterschiede. Schaffen es Unternehmen, das Mindset ihrer Mitarbeiter positiv in Richtung New Work zu beeinflussen, ändern sich Handlungen und Haltung – hin zu mehr Kreativität.